Rückgang der Schweinebestände in Hohenlohe - Unklare Zukunft veranlasst Betriebe zum Ausstieg



Großes Interesse beim Hohenloher Schweinetag in Öhringen 

 

Analysen aus Politik, Beratung und Vermarktung bestimmten den "Hohenloher Schweinetag", gemeinsam veranstaltet vom Bauernverband, der IG Schweine und dem Arbeitskreis Schweinehaltung des Landwirtschaftsamtes. 

 

Gemeinsamer Tenor: Wenn die Schweinehalter nicht wissen, wie die Anforderungen der Zukunft aussehen, bleiben Zukunftsinvestitionen aus. Und: Die deutschen Sonderwege mit höheren Kosten verringern die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Schweinehalter in einer Weise, dass als "Fünfter Weg" in vielen Fällen der Ausstieg als beste Lösung angesehen wird.

 

Der Bundestagsabgeordnete Hermann Färber, Mitglied des Ernährungsausschusses des Deutschen Bundestags und gemeinsam mit seinem Sohn selbst Zuchtsauenhalter mit etwa 300 Muttersauen brachte in klaren Worten die Situation auf den Punkt. "Wir müssen eine von der Gesellschaft akzeptierte Schweinehaltung in unseren Betrieben umsetzen, wir müssen aber auch erklären, warum und was wir in unseren Ställen machen". Diese Verantwortung sieht der Abgeordnete bei jedem Landwirt selbst. Er nimmt sich dabei nicht aus. Klar sei, so Färber, dass die gesellschaftliche Meinung und Stimmung letztlich die Wahlen entscheiden und damit auch die politische Richtung, die die gesetzlichen Vorgaben gebe. "Letztlich kann die Öffentlichkeitsarbeit nur von uns Bauern selbst, in unserem Umfeld, in unserer Gemeinde, im Freundeskreis gemacht werden, das kann kein Verband oder Institution für uns leisten, denn nur wir sind authentisch". Es helfe nicht, gesellschaftliche Stimmungen zu ignorieren. Letztlich könne für einige Betriebe die Ausrichtung auf regionale Märkte, die die höheren Aufwendungen und die Glaubwürdigkeit honorieren, eine Chance sein.

 

 

Herbert Klein, Geschäftsführer der Unabhängigen Erzeugergemeinschaft und Mitglied, wie auch wichtiger Repräsentant in verschiedenen Preisfindungkommissionen bundesweit erläuterte die Funktion der Ferkel- und Schlachtschweinenotierungen. Er machte den Zusammenhang zwischen Rückgang der Schweinefleischnachfrage und der immer noch hohen Binnenerzeugung deutlich. Klar brachte er zum Ausdruck, dass der ostasiatische Raum, mit China als Hauptabsatzmarkt, für die Schweinehalter auch in Hohenlohe entscheidend sei. Dabei müsse man sich von dem Irrglauben lösen, dass ganze Schweine in die Absatzmärkte nach Ostasien vermarktet würden. Im Gegenteil: die dortigen Märkte ergänzten deshalb die Vermarktung in den europäischen Raum, weil dort andere Teile sehr nachgefragt würden. Ohren, Klauen, Schwänze und Innereien könnten in Europa kaum vermarktet werden, in China werden sie zu hochbezahlten Leckerbissen. Auf die Frage, wie sich Regionalprogramme in der Praxis rechneten, verwies er auf eine Untersuchung, die die UEG veranlasst habe: "Regional- und Qualitätsprogramme rechnen sich aus der Vermarktung heraus bei nahezu keinem Anbieter für die Bauern, interessant sind überwiegend die öffentlichen Fördermittel über das FAKT Programm oder erhöhte Investitionszuschüsse".

 

 

Richard Riester, Leiter der Abteilung Markt der LEL in Schwäbisch Gmünd erläuterte in seinem Bericht die aktuelle Nachfragesituation. Interessant waren vor allem seine Aussagen, wonach der Weltmarkt für Schweinefleisch stark wächst. Einzig in Europa und Japan  gebe es einen geringfügigen Rückgang der Produktion, in allen anderen Teilen der Welt finde starkes Wachstum statt. Für die nahe Zukunft rechnet er mit Importzuwächsen in China, da dort momentan die Afrikanische Schweinepest grassiert und zu massiven Abschlachtungen führt. Gleichzeitig wachse die Binnennachfrage aufgrund steigender Einkommen. Gleiches gelte für Vietnam aber auch zB Mexiko. Deutschland sei nach wie vor das Land in Europa mit der höchsten Schweineproduktion, meist zusammen mit Spanien. Die Umweltvorschriften und die Auflagen bei der Ferkelkastration und im Sauenbereich führen aber zu einem Abbau, der sich in den kommenden Jahren schnell zeigen werde. Ställe werden derzeit in Baden Württemberg nur neu gebaut, wenn es sich um besondere Produktionsrichtungen handelt. Nur in ganz wenigen Landkreisen werden neue Plätze gebaut, wohingegen laufend Ställe aufgegeben würden. 

 

 

 

Heike Hornstein, die Geschäftsführerin der Objektplan Agrar (OPA), der jüngsten Tochter des Bauernverbands stellte ihre Firma und das neue Angebot des Bauernverbands dar. OPA begleitet die Bauherren von der Planungs- bis zur Gewährleistungsphase, erstellt Baupläne und Bauanträge, führt Gespräche mit Behörden und sorgt für gute Öffentlichkeitsarbeit. Dabei können einzelne Module gesondert bezogen werden. Sinn macht aber die neutrale Planung durch OPA bis zur Ausschreibungsphase, durch die der Landwirt ebenfalls begleitet wird. Selbstverständlich können die Kunden ihre Präferenzen bezüglich Fertigstallanbietern vollständig in den Prozess einbringen. Die Stallbaufirma spart sich aber die selbstständige Genehmigungsplanung und kann sich auf die Ausführungsplanung konzentrieren. Heike Hornstein hat wie ihr Statikingenieur Manfred Baumann große Erfahrung in Bau und Ausführung aller Arten von Ställen. Dies kommt den Kunden zugute. Denn mit dem neutralen Blick einer Expertin werden Fehler vermieden, die oft erst hinterher erkannt werden. Dazu kommt die juristische Expertise des Bauernverbandes, die bei Bedarf hinzugezogen wird und das betriebswirtschaftliche und steuerliche Fachwissen der anderen Tochterunternehmen des Bauernverbands Agriconcept und Buchstelle. Ställe sollen schneller und reibungsloser gebaut werden, dadurch entstehen Kostenvorteile und geschonte Nerven.

 

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