Düngen als notwendige Präzisionsarbeit.



Feldarbeit 4.0. heisst: Dünger nur ganz gezielt ausbringen – unterstützt von Künstlicher Intelligenz und Satellitentechnik.

Der Bauernverband Schwäbisch Hall-Hohenlohe Rems möchte zeigen, dass die regionale Bauernschaft als systemrelevante Infrastruktur ein wichtiges Glied einer leistungsfähigen Ernährungsindustrie in Deutschland ist. Neue Technik, Engagement und Offenheit gehören dazu. Bauer Moser und sein Sohn Maximilian in Horschhausen-Satteldorf / Hohenlohe sind von der neuen Technik überzeugt. Sie werden dazu beitragen, dass die Landwirtschaft sich immer weiter verbessert. 

Der neue Düngestreuer auf dem Hof der Familie Moser in Horschhausen blitzt in der Sonne. Den ersten Einsatz hat das GPS-unterstützte Gerät bereits hinter sich und schon steht es mitten in der aktuellen Diskussion. Die beiden Landwirte Gerd und Maximilian Moser stellen sich dem Thema der Düngung auf diese Weise. “Die Zeiten sind lange vorbei, wo nach dem Motto viel hilft viel der Dünger auf dem Acker verteilt wurde. Das wäre auch rausgeschmissenes Geld”, betont Gerd Moser. Er ist, wie offenbar viele Landwirte, bekennender Technikfreund und beschäftigt sich sehr genau damit. Darüber kommt man schnell zur sogenannten Präzisionslandwirtschaft, oder auch Teilschlaglandwirtschaft und Precision Farming genannt.

 

Satellit, Schlepper und Düngestreuer reden miteinander. Weil die Pflanzen auf den Feldern unterschiedlich wachsen und somit unterschiedliche Unterstützung, also Düngung, benötigen, ist es ein kluger Ansatz. Wie funktioniert das? Zum Beispiel mit dem neuen Düngestreuer für Mineraldünger aus unterschiedlichen Komponenten in dem Betrieb Moser, nahe der bayerischen Grenze: “Wir erhalten über einen speziellen Computerzugang vom GPS-Satelliten elektronische Biomassekarten von unseren Flurstücken zugesendet. Diese werden für den Düngestreuer auf unsere Felder in 20 mal 20 Meter-Quadranten genau appliziert, also angepasst. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz und Algorhytmen wird das Wachstum der Pflanzen beobachtet und vorausberrechnet. Mit diesen Daten arbeitet dann der Streuer, die er wiederum direkt vom Schlepper aus dem Fahrerhaus erhält”, erklären die Landwirte. Und zwar so genau, dass für 90 mal 90 Zentimeter große Einzelflächen auf dem Feld die Düngermenge unterschiedlich dosiert wird. Alle drei Tage kommen Updates – all das, um so präzise wie möglich zu düngen. Das hilft zusätzlich Betriebsmittel einzusparen und nur da, wo es sich lohnt, zu düngen. Zu Deutsch: nur an den Stellen, wo es auch wirken kann und kein Krümel mehr. Natürlich wird im Terminal des Traktors, für die Bauern ist das der Schlepper, alles gespeichert, um zum Beispiel doppelte Ausstreuung beziehnungsweise Überschneidungen zu verhindern.

 

“Ich habe die Technik gekauft, weil ich davon überzeugt bin”, sagt Gerd Moser mit Nachdruck. Wir Landwirte müssen immer weiter denken und uns umschauen.” Da gibt es viele gute Ansätze.  Schon lange arbeitet er mit Zwischenfrüchten und Herbstbegrünung, weil das seinem Boden gut tut. Er möchte daran teilhaben, dass die Landwirtschaft sich verbessert und ökologischer im Sinne einer Ressourcen schonenden Landwirtschaft wird, wie er sagt. Er möchte aber auch, dass die Gesellschaft um ihn herum darüber nachdenkt, welches Riesenglück wir in Deutschland haben, dass unsere Versorung gesichert ist und wir uns selbst ernähren können. Jetzt wo beispielsweise die Grenzen geschlossen sind. Noch allzu oft werden Landwirte pauschal angegriffen und ausgeschimpft, wenn sie düngen. Maximilian Moser, 20 Jahre, wartet auf seine Technikerausbildung in Triesdorf. Er bringt es so auf den Punkt: “Wir wollen Fitness für unsere Pflanzen und das es ihnen gut geht.” Dafür reichen die vorhandenen Nährstoffe im Boden nicht “automatisch” aus. Auch als Laie muss man seiner Meinung nach verstehen, dass Düngung wichtig ist. “Denn wir brauchen den Kreislauf zwischen dem Boden und die Pflanzen für unsere Tiere und Menschen.”

 

Die 90 Hektar Ackerfläche und Grünland sind zusammen mit 65 Milchkühen die Haupteinnahmequelle des gesunden Familienbetriebes, auf dem die Mosers zu dritt arbeiten. Den Einschnitt, wenn der Sohn als ausgebildeter Landwirt in Vollzeit zur weiterführenden Schule geht, sehen sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Natürlich wird Maximilian in der täglichen Arbeit fehlen. Andererseits versprechen sie sich als aufgeschlossene Landwirte neue Impulse für viele betriebswirtschaftliche Themen. Rechnet sich ein Neubau oder nicht? „Den Gedanken an einen modernen Melkroboter tragen wir schon mit uns herum. Aber das schieben wir vielleicht, bis Max von der Schule zurück ist“, gibt Landwirt Gerd Moser gern zu.   

 

 

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