Neue Ideen zur Direktvermarktung in der Landwirtschaft



Hof Schwaderer. Stiftsgrundhof - Backnang

Die Bevölkerung wird mit Nahrungsmitteln gut versorgt, auch weil viele Lebensmittel regional produziert werden. Heute ein Bericht vom Stiftsgrundhof bei Backnang mit Denis Schwaderer, der immer stärker auf Direktvermarktung setzt und ein Hofcafé baut.

Denis Schwaderer sieht die aktuelle Situation für die Bauern als Chance, „dass die Leute sich wieder intensiver Gedanken dazu machen, wo das Essen herkommt.“ Die Einschränkungen der letzten Wochen, nicht wie gewohnt einkaufen zu können, betrachtet er als regionaler Direktvermarkter auch von der positiven Seite. Er hofft, dass die Kunden das auch weiterhin wertschätzen und verstärkt nutzen. Als traditioneller Familienbetrieb mit Milchviehhaltung und Bullenmast bauen sie diesen Zweig weiter aus. Sie investieren zum Beispiel in ein neues Hofcafé und ab sofort steht ein Verkaufsautomat rund um die Uhr für Direktkunden bereit: Tafelobst aus dem eigenen Obstbau, Eier von rund 100 Hühnern, Produkte aus der Brennerei, Wurst in Dosen und Milch aus dem Automaten werden selbst vermarktet. „Das hat uns schon über die ein oder andere Milchkrise geholfen“, erinnert sich der junge Landwirt. Mit drei Arbeitskräften, neben ihm auch seine Eltern, bewirtschaften sie 65 Hektar Acker, versorgen 70 Milchkühe, dazu die weibliche Nachzucht und 20 Bullen. Seine Frau hilft mit, soweit der Haushalt und die drei jungen Kinder das zulassen. Bei der Ernte helfen Nachbarn aus. Im Dorf mit nur 90 Einwohnern und drei Weilern, zusammen geschlossen zum Stiftsgrundhof, ist man trotz der Nähe zur B14 und Backnang sowieso ganz unter sich.

 

 

„Unkraut ist der große Feind!“ Auf der Suche nach neuen Wegen sind die Landwirte vor vier Jahren auf die Aronia-Pflanze gestoßen. Aus den Beeren, welche der Heidelbeere recht ähnlich sind, wird hauptsächlich Saft gewonnen. Da die aus dem nördlichen Südamerika stammende, sehr winterharte Heilpflanze, erst nach vier bis sechs Jahren ausgewachsen ist, konnte auf drei Hektar mit Aronia-Sträuchern im letzten Herbst zum ersten Mal richtig geerntet werden. Eine Firma bei Dresden hat diese Pflanzenart in Deutschland eingeführt, wo insgesamt 600 Hektar dafür landwirtschaftlich genutzt werden. „Wir haben unsere Aronia-Produktion zur Bio-Zertifizierung angemeldet, deshalb heisst es im Frühjahr: viel hacken statt spritzen!“ Wenn es mit der Vermarktung gut läuft und größere Abnehmer dafür gewonnen werden können, will Denis Schwaderer die im Gesundheitstrend liegenden Beeren stärker ausbauen. Genauso wie seine Eierproduktion: mit einem Hühnermobil.

 

In der Landwirtschaft gibt es keinen Chef der sagt: so machen wir es. „Jeder ist da selbst für sein Glück verantwortlich.“ Damit meint er, was richtig und was falsch für die Zukunft des eigenen Hofes ist, kann man oft nur ausprobieren. Nach den Ansätzen für ein gemeinsames Handeln der landwirtschaftlichen Kräfte gefragt, meint Landwirt Schwaderer „dass die ganz, ganz große Herausforderung darin besteht, dass jeder seine eigenen Interessen verfolgt. Allein der Ackerbauer möchte seine Ernte möglichst teuer verkaufen, der Viehzüchter wiederum will das Futter möglichst günstig einkaufen. Das alles unter einen Hut zu bringen, ist einfach schwierig“. Einen Mittelweg, zum Beispiel über die Initiative „Land schafft Verbindungen“ (LSV), zu finden, ist nahezu unmöglich. Zusammengefasst meint er: die Bauern sind sich schon einig über die Richtung, aber der Weg ist eben enorm breit. Das letzte Jahr und die vielen Aktionen der Bauern haben auch gezeigt: es dreht sich immer viel um den Preis, den die Landwirte für ihre Produkte erwirtschaften können. „Wenn die Verkaufspreise an den Lebensmitteleinzelhandel gut sind, sind alle zufrieden und das Miteinander klappt besser“, sieht der Landwirt aus dem Rems - Murr - Kreis.

 

Generell sieht er es aber auch pragmatisch: der Verbraucher kauft, was gut und günstig ist. Der Lebensmitteleinzelhandel versucht, genau das anzubieten. Der Landwirt wiederum bietet seine Produkte so an, wie er sie verkaufen kann. Selbst im regionalen Markt regeln sich die Preise über Angebot und Nachfrage. Lobend hebt Denis Schwaderer, der auch Mitglied im Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems ist, an dieser Stelle beispielsweise die Rolle der Hohenloher Molkerei in Schwäbisch Hall hervor. Als Genossenschaft, an der die zuliefernden Landwirte wie er beteiligt sind, schüttet sie erwirtschaftete Gewinne an die Bauern der Region wieder aus. Ein gutes Miteinander!     

 

Übrigens: die älteste Kuh auf dem Hof Schwaderer ist 15 Jahre alt, heisst Barbara und gibt noch immer Milch. Sie scheint es gut zu haben auf dem Stiftsgrundhof, denn im Durchschnitt werden Milchkühe sieben Jahre alt.  

 

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