Alternative Düngung für stärkere Pflanzen und mehr Speicherkraft der Böden.



“Bei uns hat sich in den letzten zwei Jahren so ziemlich alles verändert, außer der Tatsache, wo unsere Ställe stehen und die Äcker liegen”, berichtet Landwirt Rainer Müller vom Stiftsgrundhof bei Backnang nicht ohne Stolz. Er und sein Sohn Andreas, beide Landwirtschaftsmeister, beschäftigen sich auf dem Hof der Familie intensiv mit dem Thema Regenerative Landwirtschaft. Dadurch haben sie sich viel zusätzliches Wissen über Tierwohl und Bodengesundheit angeeignet. Auch mit dem erklärten Ziel, Wetterschwankungen, wie Trockenheit oder Starkregen, zukünftig besser ausgleichen zu können.

Wir sind überzeugt, dass man sich Gedanken darüber machen kann, was man in der Landwirtschaft zukünftig anders macht, so Landwirt Müller. Schon lange arbeiten sie als gutes Gespann und denken über die Bodenfruchtbarkeit nach. Das hat Tradition, denn bereits der Großvater Gotthilf Müller fing mit dem Anbau von Zwischenfrüchten an. Aus der Erfahrung der letzten zwei Jahre mit Komposttee als Dünger wissen sie: die Bodenstruktur verbessert sich und die Bodenbearbeitung wird leichter. Für die neuen Techniken konstruieren sie eigene Maschinen. Das heißt: konventionelle Maschinen - vom “Hexenkessel” für den Sud bis zur Düngerspritze für die Ausbringung - werden eigens dafür umgebaut. Gedüngt wird damit drei bis viermal im Jahr. Ein weiterer Vorteil dieser Methode ist, dass über das gesündere Futter die Darmgesundheit der Tiere steigt. Das sind bei ihnen immerhin 170 Muttersauen und 800 Mastschweine, die sie zusammen mit Ehefrau und Mutter Silke betreuen. Die Großeltern, auf den Bauernhöfen Altenteiler genannt, helfen nach Kräften mit. 

 

Die Kombination aus konventioneller und Bio-Landwirtschaft bringt viele Vorteile. “Weil man im Unterschied zur Bio-Produktion weiterhin konventionell hohe Erträge erzielt und gleichzeitig weniger Pflanzenschutzmittel anwendet. Das schont den Boden und senkt die Kosten”, weiß Bauer Müller. “Natürlich braucht es dazu auch ein wenig Geduld“. Geduld ist eines der großen Zauberworte in der regenerativen Landwirtschaft”, sagt er. Der sogenannte “dritte Weg in der Landwirtschaft” stützt sich für beide Hofbetreiber auf den Humusaufbau im Boden, die Artenvielfalt beim Anbau, eine möglichst große Akzeptanz in der Bevölkerung und dass es Landwirte gibt, die alles zusammen führen.

 

Regenerative Landwirtschaft fördert natürliche Kreisläufe. Regionale Kreisläufe sind ein weiterer wichtiger Faktor für den Hof nahe Backnang: das Fleisch ihrer Tiere wird ausschließlich an drei regionale Metzgereien geliefert. Sie achten immer auf kurze Lieferketten und das, wenn irgend möglich, alles Benötigte direkt aus dem heimischen Umkreis bezogen wird. Zusatzstoffe, wie beispielsweise Eiweiß, werden eben nicht aus Südamerika bezogen, regionale Metzger werden gesondert geschult. “Für regionale Kreisläufe müssen die Richtigen zusammen finden. Wir sind da einfach glaubhaft und das macht dann richtig Spaß! Weil das so ist, sind wir gut drauf, denn es läuft”, freut sich Rainer Müller.     

 

Pflanzen stärken mit Komposttee. Was heißt das konkret? Es geht darum, durch diese Form der Düngung den Humusaufbau im Boden zu fördern und die Pflanzen von sich aus zu stärken. So dass sie gegenüber Schädlingen gesund bleiben. Jedes % mehr Humus bedeutet auch, dass pro Quadratmeter Ackerfläche bis zu 40 Liter mehr Wasser gebunden werden können. Gerade in trockenen Perioden wie jetzt, erhöht sich die Speicherkapazität des Bodens damit um zwei Wochen. Der Namen gebende Kompost wird vom Hof Müller aus Österreich bezogen. Obwohl ursprünglich in Deutschland entwickelt, ist diese Technik dort schon stärker in Anwendung als bei uns. Den Sud für die Düngung machen die Müllers hauptsächlich aus Kompost, Melasse und  Urgesteinsmehl selbst. Das sind pro Kessel und Düngevorgang 4000 Liter, welche dann innerhalb von vier Stunden ausgebracht werden müssen. In den 24 Stunden davor haben sich die lebenden Mikroorganismen “in der Hexenküche” bei 24° bis 28° gut entwickelt und werden in einer Flüssigkeit auf die Felder ausgebracht. 60 von 100 Hektar der Ackerflächen der Familie Müller vom Stiftsgrundhof werden seit zwei Jahren so bewirtschaftet. Die Landwirtsfamilie fühlt sich damit noch in der Startphase.

 

Pflanzen biologisch stärken und dadurch vor Schädlingen schützen. Speicherkapazität der Böden erhöhen. Nachweislich steigt durch die Düngung mit Komposttee der Zuckergehalt in den Pflanzen und damit die Leistung in der Photosynthese an. Die Kräuter aus dem Sud helfen dem Boden, das für das Wachstum notwendige Silicium besser zu erschließen. Davon sind die Landwirte Müller vom Stiftsgrundhof überzeugt.

 

Diese Form der Landwirtschaft ist anspruchsvoll. Die Müllers sind froh, dass sie “zwei Köpfe” haben, wie sie selbst sagen. Denn diese Form der Landwirtschaft beinhaltet verstärkt sowohl Pflanzenkunde, als auch Bodenkunde und Biochemie. Zusammen haben sie zum Beispiel auch entschieden, daß der Vater zum Lehrgang geht, damit der “Junge” den “Alten” später nicht mühsam überzeugen muss. Das hat offensichtlich gut funktioniert.     

 

 

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