Mit neuen Ideen und Motivation dranbleiben: Lernort Bauernhof geht online.



Eine Fachexkursion ‚Lernort Bauernhof‘ zum Thema ‚Apfelanbau und Biodiversität auf dem Bauernhof‘ hat am 16. April 2021 erstmals als Webex-Fortbildungsveranstaltung für unsere Höfe erfolgreich stattgefunden. Auf gemeinsame Einladung des Bauernverbandes Schwäbisch Hall - Hohenlohe – Rems, der Landratsämter der Landkreise Hohenlohe, Schwäbisch Hall, Rems-Murr und Main-Tauber schalteten sich 50 am Projekt ‚Lernort Bauernhof‘ interessierte Teilnehmer zu einer Online-Fachexkursion zu. Fachexkursion sind Teil der Qualifizierung zum Lernort Bauernhof und gleichzeitig eine der erforderlichen Fortbildungen für aktive Höfe. Sie finden innerhalb von Lernort Bauernhof Baden-Württemberg (LoB) statt. Die Themen für pädagogische Herangehensweisen und der Austausch unter den Höfen waren: Erwerbsobstbau Apfel, Biodiversität auf dem Bauernhof und neue Ideen für den Milchviehbetrieb.

„Schön, dass Sie den Mut hatten, sich auf diese Premiere heute einzulassen“, begrüßt Andrea Bleher die 50 TeilnehmerInnen der Online-Fortbildungsveranstaltung vom ‚Lernort Bauernhof‘ (LoB). Sie wünscht allen an ihren Bildschirmen, Ohrstöpseln und Mikrofonen, „dass es hoffentlich gelingt, uns auch in diesem neuen Format gut auszutauschen, um Kinder und Jugendliche an das Thema Landwirtschaft heranzuführen“. Sie kündigt eine ‚technische Challenge‘ an, die dann auch sofort als Tagesprogramm startet: Von klassischen Präsentationen, über vorab gedrehte und nun eingespielte Videos, Chats, Live-Umfragen und Arbeitsgruppen unter den Teilnehmenden, bis zur Live-Schalte in einen Stall – es ist alles dabei. Es gibt kurzweilige Eindrücke und viele Medienwechsel. Zugeschaltet haben sich bereits erfahrene teilnehmendeLoB-Höfe und interessierte Neulinge - aus dem direkten Verbandsgebiet, vom Bodensee, aus Göppingen, Schwarzwald und aus dem Allgäu.

 

 

 

Baumschnitt im Winter bildhaft erklärt. Katja Rembold, vom Obsthof der Familie Rembold, stellt zum Einstieg des Fortbildungstages ihre Ideen für die Hoferkundung und die Hofstationen vor. Sie zeigt in einem virtuellen Hofrundgang, wie die Kinder das normalerweise bei ihr erleben. Sie arbeitet dabei mit vielen Symbolen wie Schaufeln, Scheren und Thermometer und findet kindgerechte Beschreibungen, zum Beispiel für das winterliche Einlagern der Äpfel. Das vergleicht sie mit dem Winterschlaf von Bären. Der alljährliche Baumschnitt findet seinen Vergleich mit dem Gang zum Friseur und dem Haareschneiden. Sie lässt die Kinder die eingelagerten Kisten zählen und die verschiedenen Äpfel kosten. Die Schüler können in der Obstanlage selbst Hand anlegen, wenn sie zum Beispiel junge Triebe unter Anleitung zurückschneiden, um ihr landwirtschaftliches Wissen möglichst selbst zu erarbeiten und mit Bildern fest zu verbinden.  

 

 

 

Ideensammlung und Biodiversitätsberatung. Die Erfahrungen mit älteren Schülern zur Biodiversität und Ideen zur Pflanzen- und Insektenbestimmung teilt Monika Göltenboth, als Spezialistin im Bereich Biodiversität vom Landwirtschaftsamt Kupferzell, mit den virtuellen Anwesenden. Sie berät landwirtschaftliche Betriebe bezüglich Naturschutzmaßnahmen und weiß, dass die Landwirte dazu „ganz tolle Ideen haben“, wie sie betont. „Ich schaue immer, was schon da ist, und was welche Funktion hat im Hofbetrieb“, das ist ihr wichtig. Dazu gibt es konkrete und auch allgemeine Rückfragen, Lob und Dank aus der Runde. Bezugsadressen für Materialien, zur Bestimmung von Wildbienen und Wirtpflanzen, sowie zu Fragen der Biodiversität werden ausgetauscht.   

 

 

 

Wie artenreich ist eine Streuobstwiese? Lebensräume an der Hofstelle entdecken. Im nächsten Beitrag stellt Ann-Kathrin Käppeler die Stationen zum Streuobstanbau vor. Sie ist Projektleiterin vom ‚Lernort Bauernhof‘ (LoB) in Baden-Württemberg. Besonders liegt ihr am Herzen, die Biodiversität so konkret wie möglich erfahrbar zu machen. Praktisch und mit sehr viel Erfahrung erklärt sie am Beispiel von Streuobstwiesen, wie auf einem Leintuch Insekten sichtbar werden, oder wie kindgerecht Pflanzen bestimmt werden können. Andrea Bleher regt an, zu schauen, „…wo gibt es auf Ihrem Hof Lebensräume zu entdecken? Denn es summt und brummt überall“. Sie stellt eine sogenannte Station vor, bei der Schulklassen in ‚unordentlichen‘ wirkenden Ecken des Hofes, wie Ecken mit Steinhaufen, Totholz oder Brennesseln, Biodiversität entdecken können.

 

 

 

Jeder muss das auf seinen Hof adaptieren. Moderiert wird die abwechslungsreiche Online-Veranstaltung von der Vorsitzenden des Bundesforums ‚Lernort Bauernhof‘ (LoB) Andrea Bleher. Sie weiß um den Wert von Arbeitshilfen, wie die Broschüre „Expedition in die Biodiversität oder der ‚Insekten- oder Blühfibel‘. Es gibt Stationsvorschläge, Gewinnspiele und Anregungen für Interviews mit den Bauern, sowie einen Landwirtschaftskalender des Ministeriums für ländlichen Laum in Baden-Württemberg (MLR) für Schüler der Klassenstufe 3 und 4. „Wenn man Hoferkundungen macht, muss man als Erwachsener gut vorbereitet sein“, rät A. Bleher. „Seien Sie kreativ und holen Sie sich Anregungen“, ermuntert sie die digitale Runde weiter.     

 

Beitrag aus dem ‚Home-Office‘ Kuhstall. „Neues Leben für den Klassiker“ stellt Sissy Beck, LOB-Bäuerin aus Fichtenau, vor und gibt Live-Einblicke, in die von ihr erarbeiteten Stationen auf ihrem Milchviehbetrieb. Assistiert von Tochter Marie, sieben Jahre, hat sie ihr Laptop direkt im Stall postiert - rechts und links die Milchkühe. Ihr ist wichtig, sowohl Kinder als auch Lehrkräfte zu erreichen, denn letztere tragen ihr Wissen in den Unterricht. Was braucht eine Kuh, damit es ihr gut geht? Wie viele Eimer voll Futter frisst eine Kuh jeden Tag? Wie oft und warum kaut sie wieder? Zwischen Stroh und Heu wollen die Kinder das alles herausfinden. Und: Nach dem Erklären kommt bei ihr das Tun. Füttern, Messen, Abmalen – jedes Kind sucht sich für die Beobachtung eine ‚eigene‘ Kuh aus und nimmt am Ende der Hoferkundung viele, viele Anregungen mit. Wenn das wieder möglich ist!     

 

Trotz allem positiv gestimmt. Seit rund einem Jahr sind Veranstaltungen vom ‚Lernort Bauernhof‘ nicht möglich. Der digitaleErfahrungsaustausch und aktuelle Fragen zum ‚Lernort Bauernhof‘ waren ein wichtiger Bestandteil der Fortbildungsveranstaltung. Auch die Frage, inwieweit digitale LoB-Formate, wie Kurzvideos, eine sinnvolle Abwechslung im Online-Unterricht sein können. Die zu Beginn des Tages abgefragte Erwartungshaltung der Zugeschalteten, Anregungen und praktische Ideen für geplante Rundgänge auf dem eigenen Hof zu bekommen, werden am Ende des Tages durch viele ‚klatschenden Hände‘ bestätigt. „Wir sind sicher, dass der Bauernhof als Lernort mehr denn je gefragt sein wird, wenn es wieder geht“, da ist sich die Runde einig. Die Kinder wollen dann auch mal „wieder weg vom PC und zurück auf die Höfe, an die frische Luft“. Der Tag zeigt: Viele neue Ideen dafür sind auf dem Weg und in Vorbereitung durch die landwirtschaftlichen Familien.    

 

 

Zurück