Ausbildungsprojekt „Landwirtschaft macht Schule“ als Kooperation



Seit 2014/15 entwickeln Lehramtsstudierende der Biologie an der PH  Ludwigsburg zusammen mit angehenden LandwirtschaftsmeisterInnen der Akademie Kupferzell ganzheitlich, didaktisch-methodisch und fachlich fundiert ausgearbeitete Unterrichtseinheiten und Hoftage zu Themen der Landwirtschaft.

Wenn Schüler mit Hand, Herz und Verstand in die Landwirtschaft gehen!

 

Thematischer Schwerpunkt des Hoftages 2020 ist die Bullenmast am Beispiel des Betriebes Blumenstock in Kirchberg / Kleinallmerspann. Die sogenannte Hoferkundung ist der Höhepunkt nach drei vorbereitenden Projekt-Doppelstunden in der Schule. Auf dem Hof sind die Schülerinnen und Schüler in kleinen Gruppen an mehreren Stationen unterwegs. Schwer-punktmäßig wird der Kompetenzbereich „Bewerten“ des Bildungsplanes berücksichtigt. In jedem Projektdurchgang profitiert regulär eine Schulklasse der Sekundarstufe I von einem gut vor- und nachbereiteten Unterrichtsgang auf einen landwirtschaftlichen Betrieb – in diesem Schuljahr sind das erstmals zwei Schulklassen einer Realschule aus Kirchberg, Jagst. Rund 40 SchülerInnen, 2 Lehrkräfte, 23 FachschülerInnen, 9 Studierende sowie Gäste aus Politik, den Landwirtschafts-ämtern, dem Bauernverband und das Organisationsteam waren am 24.Januar vor Ort.            

 

„Ein Rindermastbetrieb, wie man ihn sich für die Ausbildung vorstellt,“ schwärmt Dr. Peter Grün von der Akademie Kupferzell zur offiziellen Eröffnung des Hoftages in Kleinallmerspann. Er ist Vertreter einer der drei Kooperationspartner im Projekt „Landwirtschaft macht Schule“. Er hält es für wichtig, dass man hier besonders die Kreisläufe der Landwirtschaft zeigen kann und welchen Wert die Tiere haben. Es ist daher interessant zu sehen, wie die Gruppen der Schüler und Schülerinnen, der angehenden Pädagogen und der Landwirtschaftsmeister sich über die Inhalte der Lernstationen auf dem Hof Blumenstock austauschen. Im Vorfeld haben sich alle Beteiligten viele Gedanken gemacht, wie man die Inhalte fachlich und pädagogisch für Schüler aufbereitet. Für die Projektverantwortliche des Bauernverbandes Andrea Bleher „ist das Projekt ganz, ganz wichtig, wenn es darum geht, durch eigene Anschauung zu verstehen, wie Lebensmittel erzeugt werden. Zudem Informationen aus der Landwirtschaft so zu vermitteln, dass sie ankommen.“ Meint: Von Menschen verstanden werden, die nicht aus der Landwirtschaft kommen.

 

 

 

Dafür sind die angehenden Lehrerinnen und Lehrer sehr wichtige Multiplikatoren. „Wir hoffen, dass die jungen Leute das hier erworbene Wissen in die Schulen und in ihr pädagogisches Leben mitnehmen“, so Bleher. Arnulf von Eyb, der anwesende Landtagsabgeordnete der CDU, geht sogar soweit zu sagen, dass er es jedem Lehrer gönnen würde, mal zwei Tage in einem Overall zu stecken und auf einem Hof zu arbeiten. Um im Anschluss das erworbene Wissen zu verbreiten. „Geballtes landwirtschaftliches Fachwissen aus erster Hand, nicht nur aus dem Internet“, meint er damit.

 

Gemeinsam ist den Kooperationspartnern, dass sie auf eine wertschätzende Haltung für die unterschiedlichen Positionen in der Gesellschaft bauen. „Machen Sie bitte alle Werbung dafür, dass solche Projekte unterstützt und noch mehr Angebote dieser Art bereitgestellt werden können“, bittet Andrea Bleher die anwesenden Vertreter aus der Politik und den Ausbildungsstätten. Das unterstützt der dritte Kooperationspartner im Bunde, Dr. Frank Rösch, von der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg uneingeschränkt: „Für Lehrer und Wissensvermittler ist es wichtig, außerschulische Fachleute kennenzulernen. Wenn Schule wirklich auf das Leben vorbereiten will, müssen wir die Verbraucherbildung, wie hier am Lernort Bauernhof, stärker in den Fokus rücken.“ Denn viel Wissen ist da nicht mehr, da sind sich alle Beteiligten einig.

 

 

 

Die acht bis zehnjährigen Schülerinnen und Schüler staunen inzwischen über die automatisch verabreichten Trinkrationen für Kälbchen. Genauso wie über das Stroh, welches von oben ebenso automatisch in den Stall eingestreut wird und auf die Rücken der Mastbullen rieselt. Sie lernen, dass jedes Kalb eine Marke, quasi einen Personalausweis, am Ohr trägt und dass die Tiere je nach Alter unterschiedliches Futter bekommen. „Zusammen gemixt wie Müsli, aber vom Computer“, wie Seniorchef Harald Blumenstock den Kindern bildhaft und mit viel Freude erklärt.

 

Ein sehr besonderes Projekt, welches einmalig in Deutschland ist und stärker Schule machen sollte: Pädagogen und Landwirte gestalten zusammen die Ausbildung der Heranwachsenden. „Der Bauernhof als Lernort trägt dazu bei, dass die Schülerinnen und Schüler von klein auf wissen, woher ihr Essen kommt und Ihnen hilft, eigene Bewertungen zu den Themen der Landwirtschaft vorzunehmen und eine eigene Meinung zu entwickeln“, betonen die Projektpartner.    

 

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