Freiflächenphotovoltaik - Segen oder Fluch für Landwirtschaft und Ernährung



Delegiertenversammlung des Bauernverbandes informiert sich und diskutiert

Die Klimaziele des Landes Baden Württemberg sehen einen deutlichen Zuwachs an Flächen für regenerative Energien, also Wind und Photovoltaik, vor. Im Focus stehen derzeit bereits 3 % der Landesfläche. Die Landwirtschaft hat damit ihre Schwierigkeiten: Denn die Betriebe befürchten ihre Futter- und Ackerflächen zu verlieren, weil die Pachtpreise für Photovoltaik um ein vielfaches höher sind, als für landwirtschaftliche Erzeugung bezahlt werden kann.

 

Vor einem hochinteressierten Publikum stellen Direktor Klaus Mandel vom Regionalverband Heilbronn-Franken, Antonia Gordt vom Solarcluster Baden Württemberg e. V., Dr. Dominik Modrzejewski vom Landesbauernverband und Geschäftsführer Helmut Bleher vom Kreisbauernverband ihre Perspektive auf das aktuelle Thema „Freiflächenphotovoltaik“ vor.

 

Vorsitzender Jürgen Maurer macht von Beginn an deutlich, dass für ihn zunächst alle flächensparenden Alternativen zur Versiegelung von landwirtschaftlichen Nutzflächen mit Photovoltaikmodulen gezogen werden müssten. Hierzu gehören Gewerbedächer, Konversionsflächen, aber auch Begleitflächen von Straßen und Autobahnen. Erst wenn diese ausgereizt seien, könne über die Nutzung der landwirtschaftlichen Fläche gesprochen werden.

 

 Dann aber auch nur, wenn die Landwirte dabei ihr Mitspracherecht behielten.

 

„Denn klar ist“, so Jürgen Maurer, „die versiegelte Fläche ist der menschlichen Ernährung vermutlich auf Dauer entzogen – wir müssen sorgsam mit unseren wertvollen Flächenressourcen umgehen!“.

 

Klaus Mandel stellt als Direktor des Regionalverbandes vor, wie ambitioniert die Ziele der Landesregierung sind, Antonia Gordt bestätigt dies: „Aktuell ist von der Regierungsfraktion der Grünen geplant, das eigentliche Ziel von 2 % der Landesfläche für erneuerbare Energien auf 3 % auszudehnen. Die zusätzliche Fläche würde überwiegend durch Freiflächenphotovoltaik genutzt werden müssen.“

 

Dr. Dominik Modrzejewski vom Landesbauernverband unterstützt die Position des Kreisvorsitzenden und stellt das Papier des Deutschen Bauernverbandes und des Landesbauernverbandes vor. Er macht deutlich, dass zunehmend Agri-Photovoltaik-Anlagen in den Blickpunkt gerückt werden sollten. Das sind Anlagen, die neben der Solarnutzung auch eine landwirtschaftliche Nutzung auf 85 % der benötigten Fläche zulassen. Hier steckt die Entwicklung allerdings noch in den Kinderschuhen.

 

„Die Gemeinderäte haben das Heft in der Hand“, verdeutlicht Kreisgeschäftsführer Helmut Bleher vom Bauernverband Schwäbisch Hall-Hohenlohe-Rems e. V. „Hier muss man sich bewusst werden, was man will – ob man Investoren freie Bahn gibt oder ob die örtlichen Landwirte mit einbezogen werden sollen.“ Letzteres hätte den Vorteil, dass bei einer Verschiebung der Prioritäten auch die Nahrungsmittelproduktion wieder schnell aufgenommen werden könnte, wenn sich die Zeiten ändern. Denn die aktuellen Gestattungsverträge sehen eine Bindung des Grundstückseigentümers über Jahrzehnte hinaus vor. „Wenn kleinere Freiflächenanlagen einem landwirtschaftlichen Betrieb zur Absicherung seines Betriebseinkommens dienen und vom Landwirt selbst betrieben werden, könnten wir in unseren Stellungnahmen der Sache positiver gegenüber stehen.“, so Bleher.

 

In der anschließenden Diskussion wurden die sehr kontroversen Meinungen der Landwirte deutlich.

 

Ein großer Teil lehnt die Freiflächenanlagen generell ab, da negative Auswirkungen auf Zupachtmöglichkeiten befürchtet werden. Andererseits gibt es aber auch Investitionsinteresse aktiver landwirtschaftlicher Vollerwerbsbetriebe, die ihre Betriebsausrichtung angesichts immer schwieriger werdender politischer Restriktionen in der Nahrungsmittelerzeugung um ein zusätzliches Standbein erweitern wollen.

 

 

 

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