Engagement für den elterlichen Hof und für den Berufsstand



Ein Hofbesuch beim Vorstand des Bauernverbandes, Peter Treiber, auf dem Treiber-Hof in Fellbach-Schmiden gibt Einblicke, wie unsere Landwirte sich zum einen immer wieder auf die aktuelle Marktsituation einstellen und zum anderen, wie junge Landwirte und deren Familien Verantwortung übernehmen. Er zeigt zusätzlich, mit welcher Motivation sich schon sehr junge Menschen im Ehrenamt und für den Berufsstand engagieren.        

„Ehrenamt wird ein Stück weit vererbt. Wenn ich mich nicht einsetze, kann ich auch nicht schimpfen“, meint der Vorstand für das Verbandsgebiet des Rems-Murr-Kreises Peter Treiber. Er ist 27 Jahre jung und ist mit dieser Einstellung aufgewachsen, denn auch sein Vater ist neben der Arbeit auf dem Familien-Hof Treiber im Gemeinde - und im Kreistag aktiv. Sie sind der Meinung: Wenn man sich ehrenamtlich einbringen will, muss man seine Chancen nutzen. So hat auch Peter Treiber nicht lange gezögert, als vor zwei Jahren die Frage vom Bauernverband kam, ob er sich vorstellen könne, im geschäftsführenden Vorstand aktiv zu werden. Da er seit seinem 20. Lebensjahr Vorsitzender der Landjugend Württemberg-Baden war, ist er bereits mit der Arbeit des Bauernverbandes vertraut.

 

 

 

Das macht Spaß und ist nicht nur harte Arbeit. „Man kann mit uns schon ein deutliches Wort reden, aber wir machen das ehrenamtlich. Das heißt auch, wir wollen nicht ‚abgebürstet‘ werden“, erklärt Peter Treiber einen Teil seiner Vorstandsarbeit. Für ihn ist wichtig, dass er die Sorgen der Landwirtsfamilien ernst nimmt, zuhört und sein Netzwerk für die Lösungen nutzt. Aus seiner Sicht geht es nur miteinander und nicht gegeneinander. „Das bringt uns sonst nicht weiter. Nur dann können wir etwas erreichen“, sagt er. Er hat sich vorgenommen, mit seinen Berufskollegen, seinen Gesprächspartnern und mit den politischen Vertretern, den Konsens zu erarbeiten, der jeweils tragfähig ist. Als seine Partnerin trägt Anna Hollenbach, selbst aus der elterlichen Landwirtschaft in Rot am See kommend, diese Verantwortung voll mit. Sie ist 26 Jahre jung und hauptberuflich als Erzieherin in einem Kinderhaus tätig. Schon früh hat sie bewusst Verantwortung übernommen, auch weil sie von ihren Eltern, die einen Putenmastbetrieb betreiben, in vieles mit einbezogen wurde. Sie arbeitet als Mitglied im Vorstand der Landjugend von Württemberg-Baden sowie als Mitglied im Vorstand des Bauernverbandes. Beide haben den Bauernverband somit über die Arbeit in der Landjugend positiv kennen- und schätzen gelernt. Sie möchten mitgestalten, weil die Zukunft für die Bauern und Bäuerinnen nicht gerade einfacher wird, wie sie sagen. Aber sie wissen: Überall wo Landwirte mit am Tisch sitzen, wird mit ihnen gesprochen und nicht über sie. Dass das gelingt, ist ihnen wichtig.

 

 

Sie sind bereits ein gutes Team. Peter Treiber hat nach seinem Realschulabschluss und einem Technischen Abitur Agrarwirtschaft in Nürtingen studiert und anschließend seinen Master in Agrarwissenschaften an der Universität in Hohenheim gemacht. „Das war ein guter Weg“, sagt er. Seine Eltern haben den Hof mit einer damals sehr modernen Haltungsform von Schweinen im arbeitsteiligen System, 1992 von seinen Großeltern übernommen. Das freilaufende Abferkeln war damals etwas Neues, aber mit Ausbrechen der Schweinepest haben die Treibers sich gefragt: Was kann man machen? Sie haben umgebaut, einen Schlachtraum ausgebaut und als Basis für ein neues Standbein zwei Backöfen angeschafft. Der Verkaufsraum für die Direktvermarktung wurde nach und nach erweitert und bis 2005 wurden selbst aufgezogene Ferkel geschlachtet und verkauft. Wegen erhöhter Kosten für die benötigte Fleischbeschauung, hat der Treiber-Hof die Schlachtung und Haltung aufgegeben. Der alte Schweinestall wurde zum Stall für zweitausend Hühner umgebaut, deren täglich rund 1800 frische Eier sie unter anderem freitags im eigenen Hofladen und rund um die Uhr am Eierautomaten verkaufen. Die, in der Regel, fertig gebratenen und vorbestellen Spanferkel, werden an Kunden aus der direkten Stuttgarter Umgebung, aber auch bis nach Göppingen und Karlsruhe verkauft. Immer am Freitag ist der Hofladen voll. Da gibt es neben regionalen Produkten auch frisches Bauernbrot, Schneckennudeln und Hefezöpfe. „Aber sonntags ist Tag der Ruhe, da arbeiten wir nicht“, wird ergänzt.   

 

 

Arbeiten in der Natur und im Zyklus der Jahreszeiten. „Samstag ist ‚Hochtag‘ für das Team“, da helfen alle mit sagen Anna Hollenbach und Peter Treiber. Das Team, bestehend aus Mama, Papa, Schwester Helen und einem Saisonarbeiter, bewirtschaftet den Hof zusammen. Das sind 50 Hektar Ackerland und die Ställe mit ganzjährig Masthähnchen, sowie Gänsen und Puten in der Weihnachtszeit. „Alles wird direkt hier vermarktet“, sagen die jungen Hofbewirtschafter stolz. „Für so kleine Direktvermarkter wie uns, ist es schwierig die passenden Partner zu finden. Zum Beispiel die Brütereien, da wir ja immer nur kleine Mengen brauchen“, erklärt Peter Treiber. Der Treiber-Hof bietet zusätzlich zu den Produkten in ihrer Direktvermarktung verschiedene Dienstleistungen an. So betreiben sie im Auftrag der Stadtwerke Fellbach eine große Biogasanlage, mit der drei Blockheizkraftwerke Strom und Abwärme liefern. Für eine, seit dem Jahr 2009, Klima neutrale Stadtverwaltung, haben die örtlichen Stadtwerke Lösungen mit den Landwirten des Umlandes aufgebaut. Als weiteres Standbein werden Grünarbeiten übernommen. Als ein Lernort Bauernhof LoB bietet die Familie Treiber seit 25 Jahren und jährlich bis zu 100 Schulklassen Einblicke in Ihre Landwirtschaft an. „Bis zu vier Klassen pro Woche ist nicht außergewöhnlich“, erklären sie. Für die Besucher und die Themen wie ‚Vom Korn zum Brot‘ oder ‚Vom Ei zum Huhn‘ wird gerade ein neuer und größerer Raum geschaffen. Um Landwirtschaft gut ‚erfahrbar‘ zu machen, leben auf dem Hof auch Schafe, Ziegen, Esel und Pferde. Das junge Paar von Treiber-Hof liebt das Leben und Arbeiten auf dem Land, weil es so abwechslungsreich ist. „Vor allem auf unserem Betrieb: Vom Brot backen bis zu handwerklichen Arbeiten ist es ein bunter Strauß an verschiedenen Aufgaben. Von der Aussaat im Frühjahr bis zur Ernte im späten Sommer“, schwärmt Landwirt Treiber. Einen Gewinn sieht der junge Landwirt vor allem in den vielen Standbeinen seines Betriebes. Gerade in schwierigen Zeiten kann er dadurch Höhen und Tiefen in den einzelnen Betriebszweigen gut kompensieren. Und Partnerin Anna ergänzt, dass sie mit der Verbundenheit zur Landwirtschaft groß geworden ist. „Ich liebe es, zu sehen wie es wächst, und begleite das gern.“

 

 

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