Ab in den Winterschlaf: Die Maschinenstation ALMA in Rot am See



„Wir leben von der Nähe und dem Miteinander: die der Landwirte, der Händler und der Maschinenring-Stationen“, erklärt Matthias Meinikheim aus Oberwinden – Rot am See auf die Frage, was die Stationen der Maschinenringe tun. „Früher hatte jeder Landwirt seine eigenen Maschinen. Heute muss er sich fragen, ob es noch rentabel ist, wenn er diese nur zwei bis dreimal im Jahr braucht“. Der junge Landwirt betreibt zusammen mit seinen Eltern eine der 22 Stationen um Blaufelden. Über die LMG, einer Tochterfirma des Maschinenrings, werden Landmaschinen aus dem Besitz des Maschinen- und Betriebshilfsring koordiniert vermittelt. Diese stehen dann auf Höfen, wie dem der Familie Meinikheim bereit. Es liegt ihnen am Herzen, dass sie diesen Mietservice für andere Landwirte anbieten.

Die Tendenz der Miet-Stationen ist steigend. Warum das? Weil die Maschinenpreise, nach Aussagen der Landwirte Meinikheim, im Gegensatz zu den Erlösen aus landwirtschaftlichen Erzeugnissen, explodieren. Allein ein Güllefass mit neuster Technik, also das Gefährt, womit der flüssige Wirtschaftsdünger aus den Ställen der landwirtschaftlichen Betriebe auf die Felder ausgebracht wird, kostet rund hunderttausend Euro. Oder die Maschinen für den Pflanzenschutz: sie werden immer spezieller und sind inzwischen Satelliten gesteuerte High Tech Geräte. Das lohnt sich eben für einen einzelnen Landwirt kaum. Lothar Mühlenstedt setzt als Geschäftsführer des Maschinenring Blaufelden ganz besonders auf die jungen Landwirte. „Ich sehe, dass gerade die Jungen innovativ sind, sich gut abstimmen und auch dieses Thema anpacken. Sie suchen nach Möglichkeiten, sich neue Märkte zu erschließen. Dafür bilden sie kleine Gemeinschaften. Zum einen, um Investitionen zu sparen und Einkaufsvorteile zu nutzen, zum anderen, um überbetrieblich zusammen zu arbeiten.“ Seiner Aussage nach, schließen sich immer mehr zusammen und bieten spezielle Dienstleistungen an. Oder sie nutzen gemeinsam verschiedene Landmaschinen. „Das ist die Zukunft, die überbetriebliche Zusammenarbeit ist im Kommen und es geht auch gar nicht mehr anders“, da ist Mühlenstedt sicher. Hofinhaber Meinikheim sagt es noch drastischer: „Da muss ein Umdenken kommen. Zum Beispiel dahingehend, die Maschinenkosten zu teilen“. Er selbst schaut immer, wo und was er optimieren kann.  

 

 

 

Jetzt geht es erstmal in den Winterschlaf. Acht Maschinen zur Bodenbearbeitung, Transport und Düngung stehen auf dem Hof von Matthias Meinikheim. Aktuell werden alle Maschinen gewaschen, gepflegt und repariert - soweit nötig. Dann geht’s bis Anfang März für einen Teil der Maschinen quasi in die Winterpause. Manche werden über den Winter noch benötigt. Dicht bei dicht und sauber stehen die Geräte in der großen Halle. Nach jedem Einsatz der Maschinen werden, wie zum Beispiel beim Güllefass, die Zählerstände zur Abrechnung erfasst. Als Maschinenstation sind sie 2016 mit drei Maschinen gestartet und inzwischen zur zweitgrößten Station des Maschinen- und Betriebshilfering e.V. gewachsen. Noch immer werden Partner wie sie gesucht.              

 

Höfe müssen sich noch mehr umstellen und genau planen. Die Familie ist der Meinung: Um für einen reibungslosen Einsatz der Maschinen zu sorgen, wird es für Landwirte immer wichtiger, ihre Arbeit vorausschauend zu planen und zu koordinieren. „Dies wiederum erleichtert uns als Mietstation die Vermittlung. Rund ein Drittel der täglichen Arbeitszeit nehmen die Büro- und Dokumentationsarbeiten ein,“ berichten Albert und Anita Meinikheim. Dabei läuft die Buchführung inzwischen zu 100% digital und papierlos. Die ALMA Meinikheim GbR arbeitet Gentechnik frei, Tierwohl gerecht und bewirtschaftet, neben ihrer Arbeit als Mietstation, auch noch 75 Hektar Acker- und Grünland und sechs Hektar Wald. Einen Fleckviehzuchtbetrieb mit 75 Milchkühen, weiblicher Nachzucht und eine kleine Bullenmast betreibt die Familie. Die zwei, nicht auf dem Hof tätigen, Brüder von Landwirt Matthias und Freunde der Familie helfen in Arbeitsspitzen mit.

 

 

 

Direktvermarktung über eigene Waren- und Milchautomaten. Wie andere Landwirte auch, erfahren sie auf dem Hof Meinikheim in letzter Zeit immer mehr direkte Wertschätzung ihrer Lebensmittel. Ein Teil des Fleisches ihrer Tiere wird über einen Metzger in Brettheim direkt vermarktet. In den, von der Straße gut sichtbaren, Automaten, gibt es nur regionale Produkte, wie Honig und Nudeln, Eier und Milch von den eigenen Tieren. Alle zwei Tage wird die erzeugte Milch vom Milchwerk Crailsheim-Dinkelsbühl e.G. abgeholt. Deren Käse wiederum wird im Warenautomaten am Hofgelände verkauft. 2010 wurde für den Hof ein neuer Stall gebaut und der Tierbestand mehr als verdoppelt. Die Fleckviehkühe werden mit einem Melkroboter gemolken und haben massig Platz im luftigen Stall. Ein Teil davon sieht aus wie eine Wellnessoase: das ist der Bereich zum Abkalben. Auf dickem Strohbelag warten hier die hochträchtigen Kühe auf ihr Kalb. Der Landwirtschaftsfamilie sind Besucher auf ihrem Hof stets willkommen. „Jeder Besucher kann sich gerne und jederzeit bei uns informieren“, sagt Matthias Meinikheim. „Um auch Kinder über die Landwirtschaft zu informieren, nehmen wir am Lernort Bauernhof – Programm teil. Wir leben in und von der Natur. Wir arbeiten gern mit der Natur und haben eine hohe Lebensqualität auf dem Land“, ergänzt er.  

 

 

 

Info: Matthias Meinikheim ist 30 Jahre alt, Staatlich geprüfter Techniker für Landbau und hat in Triesdorf die Technikerschule absolviert. Er ist im Kirchengemeinderat von Rot am See und in der Vorstandschaft des Landwirtschaftlichen Beratungsdienst Rindvieh Ilshofen e.V. aktiv. Sein Vater Albert ist Landwirtschaftsmeister und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft LBV Raiffeisen e.G. in Schrozberg. Dieser hat zusammen mit seiner Frau Anita, die über 20 Jahre bei den Landfrauen in verantwortlicher Position war, den Hof, der in der 4. Generation im Besitz der Familie Meinikheim ist, von seinen Eltern übernommen.  

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