Jeder auf dem Hof macht das, was er auch gern macht.



Arbeit mit Wohlfühlfaktor – jeder hat sein Spezialgebiet. Wie Höfe den Übergang an die nächste Generation gestalten, ist sicher sehr unterschiedlich. Aber eines scheint die Mitgliedsbetriebe des Bauernverbandes zu einen: Sie sind sich der Verantwortung gegenüber ihrem Boden, den Tieren und den Familien sehr bewusst. Angefangen vom Urgroßvater, über die Kinder bis hin zum Urenkel.  

Wie kann man es gut gestalten, dass der Hof erhalten bleibt und man davon auch leben kann? Für Familie Eisenmann in Vorderhundsberg bei Welzheim ist Vielfalt eine Voraussetzung dafür. „Das Schlimmste, was passieren kann, ist, wenn man nur ein Standbein hat und genau diese Einnahmen wegbrechen“, da ist sich der Senior des Hofes, Rainer Eisenmann sehr sicher. Für seinen Hof, seit Generationen in Familienbesitz, hat sich der Mix aus Waldwirtschaft, Schweinehaltung, Bullenmast, Pensionspferden, Veranstaltungen und Winterdienst bewährt. Ihr Ackerbau und die Bewirtschaftung der Wiesen auf insgesamt 110 Hektar für eigenes Futter, Heu und als Koppel, sind die Grundlagen dafür. Die gute Mischung gibt zum einen Sicherheit, dass, wenn mal ein Standbein schwächelt, es noch genügend andere Pfeiler gibt, auf denen der Hof stehen kann. Zum anderen gibt es einer Landwirtsfamilie die Chance, dass jeder macht, was er liebt und gut kann. „Er liebt halt den Wald“, sagt seine Frau Sabine, gelernte Arzthelferin und Hauswirtschafterin, über ihren Mann. „Und Sabine ist für`s Kochen und die Wagenremise zuständig, weil sie das sehr gut kann“, ergänzt Schwiegertochter Kim. Sie wiederum ist, als Pferdespezialistin, im Stall mit vier eigenen und 20 Pensionspferden aus dem nahen Stuttgarter Umfeld genau am richtigen Platz.

 

 

 

Der klassische Plenterwald: Bis zu 150 Jahre alte Urgroßväter und ihre Urenkel stehen auf natürliche Weise beieinander. Als erster Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Welzheimer Wald und Bewirtschafter von 13,5 Hektar eigenem Wald ist Rainer Eisenmann mitten in den aktuellen Themen um die Trockenheit und den Schädlingsbefall unserer Wälder. Er setzt für die Zukunft auf Mischbestände aus heimischer Weißtanne, Fichte und Laubgehölzen. „Denn in reinen Fichtenwäldern ist der Befall durch Schädlinge, wie den Borkenkäfer, am größten“, weiß er. Auch, dass die Waldpflege sehr wichtig ist. „Man muss den Wald beobachten, wie er sich entwickelt. Ich entnehme immer wieder Bäume, um jungen Pflanzen Raum zur gesunden Entwicklung zu geben“, erklärt Eisenmann auf einer Lichtung mit Tannen aller Größen den Prozess der Naturverjüngung. Kommt genügend Licht auch an die kleinen Bäume? Reicht das wenige Wasser für alle? Für beide lebenswichtigen Faktoren darf der Bestand nicht zu dicht sein. Auch weiß der erfahrene Landwirtschaftsmeister, dass befallene Bäume nicht gleich absterben. Entnimmt man sie rechtzeitig, hat das Holz noch einen Wert und kann verkauft werden. Der Revierleiter des Fortsamtes klassifiziert als Fachmann das an den Waldwegen abgelegte Holz in einer sogenannten Holzliste. Nach seiner Bewertung - je nach Qualität - wird es an die Sägewerke verkauft. Von den separaten Sammellagerplätzen wird das Holz von Holzkäufern gekauft. Dabei wird grundsätzlich zwischen Wert- oder Starkholz, zum Beispiel für Möbel, Kurz- oder Langholz für Dachstühle oder Holzständerwände und Schad- und Schwachholz, zum Beispiel zum Heizen oder für Gartenzäune unterschieden. Sieht man die ersten und besonders guten fünf Meter einer klassischen Weißtanne aus dem Schwäbisch - Fränkischen Wald der Familie Eisenmann genauer an, erzählen die Jahresringe viele Geschichten. Manche davon landen als begehrtes Material für besonders feine Grabtafeln in Japan. Für den Export dahin werden die in Mitteleuropa heimischen Stämme exakt auf elf Meter - die Länge der Schiffscontainer - geschnitten.

 

 

 

Die Betriebsteile müssen sich schon ergänzen. Der Großfamilie Eisenmann mit sechs Erwachsenen und zwei Kindern aus vier Generationen, gehört als Sohn und Landwirtschaftsmeister, aber vor allem als Ehemann von Kim Eisenmann, Joachim an. Er arbeitet in Teilzeit auf dem Landwirtschaftsamt und verantwortet auf dem Hof die Schweinehaltung und den Ackerbau. Er macht, wir ahnen es schon, das ganz besonders gern. Die Tiere des Hofes werden nur regional und an Metzgereien mit eigener Schlachtung vermarktet. Um die vorhandenen Stallanlagen zu nutzen, werden in noch geringem Umfang Bullen im alten Milchviehstall gehalten. Schließlich haben in dem 22 Einwohner-Dorf bis auf 2 Höfe schon alle anderen aufgegeben. Damit ihnen das nicht passiert, planen die Landwirte Eisenmann, die auch Mitglied im Bauernverband sind, sich noch breiter aufzustellen. Ein Hofladen für die Direktvermarktung ist für 2021 geplant. „Unsere Region ist für die Naherholung - im Sommer wie im Winter – von großer Bedeutung“, erklärt Schwiegertochter Kim. Sabine Eisenmann ergänzt: “Wir spüren schon, dass die Leute gern aufs Land kommen und gern hier einkaufen“. Dafür wollen Sie mehr Möglichkeiten schaffen, denn das Wieslauftal liegt unmittelbar vor der Tür.

 

Die Menschen feiern gern auf dem Land. Aus der direkten Umgebung, aber auch aus dem Remstal, Backnang und Stuttgart kommen sie normalerweise in den Welzheimer Wald, die Gäste von Eisenmann`s Wagenremise. Ob traditioneller Weihnachtsmarkt und Christbaumverkauf, die Wandertruppe oder Familienfeier: bis zu 40 Personen können in dem fast 100 Jahre alten Veranstaltungsraum Hausgemachtes direkt am Holzofen genießen. „Hier ist fast alles noch Original“, betonen Sabine, Rainer, Kim und Joachim Eisenmann sehr selbstbewusst. Auch, dass sie normalerweise lange im Voraus ausgebucht sind. Sie hoffen, dass sie bald wieder die Besucher der vielen umliegenden Ausflugsziele auf ihrem Hof begrüßen können. Es ist Ihnen wichtig, über die Zusammenhänge in der Landwirtschaft aufzuklären, zum Beispiel über die Fragen „Wo kommt das Schnitzel her?“ und „Wie wird aus einem Getreidekorn ein Brot?“. Schon die kleinen Kinder sollten ihrer Meinung nach wissen, wo unser Essen herkommt. Das hilft, die Akzeptanz landwirtschaftlichen Arbeit zu erhöhen und macht ganz nebenbei schlau!

 

 

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