Es wird weitergehen - Wissen, wo das Obst herkommt.



Zugegeben: mit seinen neun Jahren ist Fabian noch etwas zu jung, um über seine Zukunft in der regionalen Landwirtschaft zu entscheiden. Aber an der Seite seines Großvater Ernst Häcker macht er einen voll-fitten Eindruck, wenn es darum geht, die Arbeit des familiären Obstbauhofes in seiner Heimat, Weinstadt – Großheppach im schönen Remstal, zu zeigen.

Bis es für Junior Fabian einmal soweit ist, wird der Familienhof, welcher ein Mitglied im Bauernverband ist, von seinem Vater und Obstbaumeister Jens Häcker und von dessen Vater Ernst geführt. Auch dieser hatte den Hof vor 40 Jahren von seinem Vater übernommen. Seit 10 Jahren schon stehen nun Vater und Sohn für die Betriebsführung gemeinsam ein. Beide sind Inhaber und gestalten den Übergang fließend. Sie verantworten neun Hektar regionales Land und ihre Produkte in ausschließlicher Direktvermarktung. Das heißt: Ihr Obst, wie zum Beispiel die 50 Sorten Äpfel, wird direkt von ihnen als Erzeuger an die Endverbraucher, also die Kunden, verkauft. Dafür stehen Sie als Bauern seit 50 Jahren dreimal pro Woche auf den Wochenmärkten in Aalen und Unterheimbach. „In Aalen haben wir das Glück, ganz viele Kunden von jung bis alt zu haben, die genau wissen wollen, wo unser Obst herkommt“, freut sich Ernst Häcker über die Möglichkeit zur persönlichen Beratung. 

 

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Das ganz Jahr über gibt es eigenes Obst. Dazu gehören neben den Äpfeln mit vielen Früh- und Spätsorten, auch Birnen, Zwetschgen, Kirschen, Mirabellen, Johannis-, Brom- und Himbeeren und vor allem die Indianerbananen, wie Junior Fabian verschmitzt berichtet. Die sogenannte Indianerbanane wird auch Pawpaw oder nördliche Mango genannt. Sie ist eine in Nordamerika heimische Pflanzenart. Das intensive Fruchtaroma schmeckt wie eine Mischung aus Banane, Mango, Ananas und Vanille. Frischen Trauben und Wallnüsse ergänzen das Angebot vom Hof. „Das ist alles ausschließlich Handarbeit – das ganze Jahr über. Samstags ist normale Arbeitszeit, Urlaub ist nicht so viel drin. Denn jedes Jahr pflanzen wir mehr, da kann man nicht einfach mal 14 Tage weg“, beschreibt der gelernte Weinbaugehilfe und Seniorbetriebsleiter Ernst Häcker die Arbeit. Ehefrau Monika, Schwiegertochter Birgit und aktuell zwei, in Erntespitzen vier, Helfer unterstützen die Hofarbeit ganzjährig. Damit das Angebot der Häckers knackig frisch bleibt, gibt es sowohl eigene nagelneue Kühlräume mit kontrollierter Atmosphäre, auch CA-Lager genannt, als auch ein Gemeinschaftslager mit sieben Räumen und einer Ultra-Low-Technik (ULO) für eine extrem verlangsamte Reifung. 45 Mitglieder – die meisten sind Landwirte aus dem Remstal - haben sich schon vor 35 Jahren als Gemeinschaft für die fachgerechte Lagerung ihres Obstes zusammengetan. In großen Hallen und in einzelnen Kammern mit spezieller Klima- und Lüftungstechnik wird ihr Obst in jeweils 5000 bis 7000 handlichen Kisten pro Raum gut verschlossen gelagert. Ein sehr knapper Sauerstoffgehalt garantiert das teils stark verlangsamte Reifen der Früchte. Auf Voranmeldung durch die einzelnen Landwirte wird die Ernte im Herbst bis zum Dezember sowohl ein-, als auch ab Januar Stück für Stück wieder ausgelagert. Die Kisten in den einzelnen, tresorartigen Räumen werden so entnommen, wie sie für die Kunden gebraucht werden. Zwischendurch mal reinschauen ist nicht, weiß auch der schlaue Junior vom Hof Häcker. Nur so bleibt alles super-frisch.     

 

 

Der neue Hofladen muss noch anlaufen, so wie der Wochenmarkt früher auch. Seit Dezember vergangenen Jahres gibt den Hofladen der Familie in Großheppach direkt an der B 29. Er steht gut sichtbar an der schönen neuen Halle, die seit Sommer 2020 zum Lagern, Sortieren und Umpacken genutzt wird. Hier wird normalerweise auch das Obst für sage und schreibe 180 Schulen und Kindergärten – vom Remstal bis Crailsheim, von Aalen über Heidenheim bis Ulm – für die Lieferung vorbereitet. Dieser Geschäftszweig des Hofes ruhte gerade lange Zeit. Gut, dass es weitere eigene Produkte, wie Essig und Dessertwein im Direktvertrieb, und neben anderen Produkten nun auch im Hofladen gibt. Die Obstbauern der Familie Häcker in Weinstadt wünschen sich, dass die Kunden immer stärker auf regionale Lebensmittel achten und „nicht nur auf den Preis schauen, sondern darauf, dass es von hier kommt“, betont Ernst Häcker. „Da kann es automatisch nicht das Günstigste sein, weil die Ansprüche an Tierwohl und Bodenschutz in Deutschland immer höhergeschraubt werden. Das kostet Geld“, ergänzt der erfahrene Obstbauer. In Bezug auf die Diskussion zur Regionalität gegenüber den Bioprodukten befürwortet er, dass weniger radikal gedacht wird. „Ohne Scheuklappen kann man sich hier gegenseitig viel abschauen“, da ist er sicher. Für seine Sonderkulturen – denn das genau ist das Obst in der landwirtschaftlichen Fachsprache – wünscht er sich besonders, dass die vermehrten Spaziergänger daran denken, „… dass Winterruhe auch Ruhe für die Tiere im Wald wie im Acker heißt. Fehlt die Ruhe, verschwinden die Tiere“. Zum Beispiel die Vögel und die Insekten. 

 

 

 

 

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