Das ist unser gemeinsames Projekt: Hähnchenmast in Rot am See.



Die jungen Landwirte Rebecca Kraft und Fabian Reiß haben in Rot am See einen hochmodernen Stall zur Hähnchenmast gebaut. Dafür galt es viel abzuwägen und vorauszuschauen. Nun steuern sie ihn via App, Smartphone, viel persönlichem Einsatz und Tierliebe. Sie sind stolz und glücklich, in der Landwirtschaft zu arbeiten und die Tiere immer wieder aufwachsen zu sehen.  

„Wir standen vor der Entscheidung, wie wir den Betrieb weiterentwickeln. Wir wollen etwas machen, worin wir eine Zukunft sehen“, sagt der junge Landwirt Fabian Reiß aus Rot am See. Dafür haben er und seine Partnerin Rebecca Kraft sich viele Gedanken gemacht und sich auch beraten, zum Beispiel mit dem Landwirtschaftsamt. Irgendwann war klar: Es werden die Hähnchen sein. Im Mai 2020 wurde der Bau begonnen und am 22. Dezember des gleichen Jahres wurde das erste Mal eingestallt. Das heißt, die Küken ziehen ein. „Wir haben uns damit selbst ein kleines Weihnachtsgeschenk gemacht“, erinnert sich Rebecca Kraft. Dabei ist klein echt das falsche Wort. Denn der Stall ist 100 Meter lang und 20 Meter breit. Ein angebauter Wintergarten für die Tiere zieht sich fünf Meter breit über die gesamte Länge. Das Ganze ist voll mit hochmoderner Licht- und Klimatechnik, mit Notstromaggregat, automatischer Fütterung und Tränkesystem.

      

 

Chicken-TV, Handysteuerung und persönliche Zuwendung. Kommen die einen Tag alten Küken bei ihnen an, ist der Stall akribisch vorbereitet. Er wird zuvor grundgereinigt, desinfiziert, neu eingestreut und mit Futterpapier auf dem Boden ausgelegt. Dieses hilft den kleinen Tieren, das Picken zu lernen und die ersten Mal zu den Futterstellen zu finden. Die Einstreu besteht aus Dinkelspelz-Pellets oder Strohpelletts. Vorab wird die Temperatur im Stall auf 33 bis 35 Grad gebracht. „Sie sind wie Babys. Selbst wenn es uns hier drin viel zu warm ist, wäre ihnen immer noch kalt“, erklären die beiden Landwirte. Denn die Jungtiere produzieren erst circa ab dem 10. Tag selber Wärme, dann erst kann die Temperatur schrittweise auf 20 Grad abgesenkt werden. In der Natur übernimmt diesen Schutz die Henne im Nest. Überhaupt versuchen die jungen ‚Ersatzeltern‘, immer am Natürlichen anzuknüpfen. Werden die Tiere aus ihren Kisten entladen, ist es leise und dunkel, um Aufregung zu vermeiden. „Machen wir dann Licht, gehen wir langsam durch den Stall. Sie laufen uns die ersten ein bis zwei Tage immer hinterher. Das nutzen wir, um ihnen die Futter- und Wasserstellen zu zeigen. Am Anfang schauen wir sehr oft nach den Tieren - mitunter nur durch das Fenster – um zu sehen, wie es ihnen geht. Das ist unser ‚Chicken-TV‘ vorm Zubettgehen“, schmunzeln die beiden in Richtung Stall. Ein ausgeklügeltes Licht- und Lüftungssystem zeigt auf Bildschirmen des Stallcomputers an, in welcher Ecke des Stalls welches Klima herrscht. Gegebenenfalls wird von außen nachgesteuert – kontrolliert wird auch via Smartphone. „Ich habe die kompletten Daten auf dem Handy: Wasser, Futter, Luftfeuchtigkeit und Temperatur“, sagt der junge Landwirt nicht ohne Stolz.     

 

 

 

Nach rund einer Stunde haben fast 30.000 Tiere die komplette Stallfläche zur Verfügung. Und das ist bei Rebecca und Fabian mehr, als vorgeschrieben. Sie arbeiten bewusst im Tierwohlprogramm ‚Donautal Premium‘ von Wiesenhof mit und bieten den Hähnchen mehr Platz, als der Gesetzgeber vorschreibt. Zusätzlich gibt es ‚Spielzeug‘ zur Beschäftigung, erhöhte Aufsitzstangen als Rückzugsort und besagten Wintergarten mit Schutznetz zum Auslauf. „Vom An- bis zum Abtransport machen alle im Tierwohlprogramm mit und achten zum Beispiel auf kurze Wege von maximal vier Stunden“, erklärt Landwirt Fabian Reiß. Sehr gern hätten sie von Beginn an im Programm ‚Privathof‘ mitgemacht und dafür die Anzahl der Tiere pro Quadratmeter noch weiter verringert, sowie eine langsam wachsende Rasse eingeplant. Leider ist für dieses sehr hochwertige Fleisch aus dem Programm der Markt noch nicht ausreichend vorhanden, viele Geschäfte nehmen das besondere Siegel des Deutschen Tierschutzbundes erst in ihr Angebot mit auf. Die beiden Jungbauern sind aber sehr glücklich, „das Wiesenhof als Vermarkter darauf achtet, was am Markt geht und was nicht“. Das hilft ihnen, ihre Zukunft – auch als Familie - sicher aufzubauen. 

 

 

 

 

Es geht vieles automatisch, aber die täglichen Routinegänge machen wir am Anfang häufiger. Die Jahresplanung für die Hähnchenmast wird mit dem Handel, in ihrem Fall Wiesenhof, abgesprochen. Es gibt sieben ‚Durchgänge‘ im Jahr, mit jeweils sieben bis zehn Tagen Pause. „Da kann man schon mal was schieben, zum Beispiel für einen kleinen Urlaub“, weiß das junge Landwirtspaar. Nach circa 33 Tagen verlassen die ersten Hähnchen den Stall, die letzten des ‚Durchganges‘ nach rund 42 Tagen. Die Tiere bekommen, je nach Alter, pelletiertes Futter. „Da ist alles drin, was sie brauchen. Ab dem 14. Tag bekommen sie auch unseren eigenen Weizen“, darauf weist Fabian Reiß hin. Man merkt deutlich, dass den beiden die Arbeit mit den Tieren am Herzen liegt. „Wir haben große Lust auf die Landwirtschaft und können uns Nichts anderes vorstellen, als Landwirte zu sein. Man freut sich freilich auf den Feierabend – und fährt dann doch noch einmal raus auf den Acker“, stellen sie nicht unzufrieden fest. Die Freiheit zu entscheiden, was sie wann tun, ist ihnen wichtig. Sie versuchen, sich immer weiter zu entwickeln und probieren gern Neues aus, wie zum Beispiel den Anbau von Blaumohn, Lein oder Kichererbsen. Sie versuchen sich damit auch in Nischen. Sie genießen es, genau diese Freiheit zu haben. Auch, dass sie den Sinn ihres Tuns täglich sehen können.

 

 

 

Jeder Tag ist noch neu. „Vor dieser Entscheidung stehen viele junge Landwirte: Was tun, damit der Hof überlebt?“ Nach fünf Jahren Überlegen und ‚Bauchweh‘, wie sie selbst sagen, sind sie froh, diese Entscheidung für die hohen Investitionen getroffen zu haben. „Wir fahren immer mit Stolz in den Stall, weil wir schon viel geschafft haben. Weil wir sehen, dass wir den Betrieb weiterentwickelt haben und die Landwirtschaft für uns eine Zukunft hat!“


Info: Der Stammbetrieb des Hofes Reiss ist in Brettenfeld und Mitglied im Bauernverband. Rund 80 Hektar Ackerbau, plus Wiesen und Wald, 160 Muttersauen und Babyferkel beschäftigen die Hofinhaber bisher. Fabian Reiß, seine Eltern haben den Hof bereits übergeben, ist Techniker für Landbau und seit acht Jahren wieder auf dem Hof tätig. Rebecca Kraft ist seine Partnerin, kommt von einem elterlichen Betrieb mit Putenmast und hat einen Bachelor und Master in Agrarwissenschaften in der Tasche. Sie ist zudem ‚nebenbei‘ und sehr gern in der Entwicklungsabteilung eines Unternehmens für Tiernahrungsproduktion hauptberuflich tätig. Der hochmoderne Stallbau wurde im Rahmen des Agrarinvestitionsförderungsprogramm und aus Mittel des Landes Baden-Württemberg und des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Ländlichen Raums (ELER) gefördert.

           

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