Wir sind hier: transparent und kontrollierbar.



Hof Schlumberger. Gerabronn - Hohenlohe 

Als Landwirte haben wir zu Bebauen und zu Bewahren. Da wir aber allesamt  von „Blümchen“ nicht leben können, gibt es Eingriffe in die natürlichen Kreisläufe. Ohne ist es einfach nicht möglich. Aber: Das WIE und die Rahmenbedingungen sind wichtig, bekräftigt Landwirt Mathias Schlumberger aus Gerabronn in Hohenlohe.

„Unsere, mit einem inzwischen sehr hohen Aufwand erzeugten, Lebensmittel sind zu billig.“ Landwirt Mathias Schlumberger aus Gerabronn will jedoch kein Klagelied anstimmen. Er möchte vielmehr über die heutigen Investitionen in Technik sprechen, die es braucht, um qualitativ hochwertige Lebensmittel zu erzeugen. Stolz zeigt er seine blitzsaubere sogenannte „i-Spritze“ - eine intelligente Dünge- und Pflanzenschutzspritze. Das ist ein GPS-gesteuertes System, dessen Dosierung, die An- und Abschaltung über Satellit und mit Hilfe von Applikationskartierungen arbeitet. Es sorgt dafür, dass genau das richtige Maß der Mittel auf die Pflanzen und in den Boden kommt. Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig und ohne Überlappungen. Trotzdem ist nach seinen Aussagen die Erfahrung des Landwirtes noch höher zu werten als die moderne Technik: “Nur mit der Erfahrung des Bauern wird es eine intelligente Arbeit. Denn der kennt seine Äcker, die feuchten und die trockenen Stellen genau“, so Landwirt Schlumberger. Es braucht nach seiner Meinung viel Erfahrung, um zu wissen, wann es richtig ist, den Boden und die Pflanzen zu unterstützen.          

 

Warum verwenden die Landwirte eigentlich Pflanzenschutzmittel und Dünger? Immer wieder ist der Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln in der Diskussion. Landwirte werden bei der Arbeit verpönt und beschimpft. Mathias Schlumberger weiß, dass heute auf unserer Erde acht Milliarden Menschen satt werden müssen. „Das war früher nicht nötig und es wurde deutlich weniger geerntet. In den letzten 20 bis 30 Jahren wurden die Böden für den wachsenden Bedarf viel besser aufgewertet. Durch größere Maschinen und durch eine tiefere Belüftung wurde das Bodenleben aktiviert. Durch Zuführung organischer Substanzen kann beispielswiese ein höherer Humusgehalt erzielt werden. Für einen hohen Ertrag, den wir alle zusammen verbrauchen, ist es einfach wichtig, dem Boden und den Pflanzen zur exakt richtigen Zeit Hilfe zu geben“, so der Landwirt.

 

 

 

 

Wann ist es genau richtig zu unterstützen und warum? Die Qualität des Getreides bestimmt die Qualität des Futters und die Qualität des Backweizens für unser Mehl. Landwirt Schlumberger dazu: “Das beginnt mit der Düngeplanung. Wie viel braucht mein Weizen für eine gute Qualität? Für die verschiedenen Düngegaben berücksichtige ich, wie viel ist schon im Boden und wie viel kann er selbst liefern? Mein Backweizen zum Beispiel braucht für die zum Backen nötigen Eiweißverbindungen den Stickstoff, wenn er blüht. Den braucht er dann schnell und reichlich. Das kann er nicht alles aus der Pflanze selbst holen, sondern muss es zusätzlich aus der Wurzel, sprich dem Boden, schaffen.“ Im gesunden Korn lagern sich die Nährstoffe dann ein, die Pflanze gibt alles ab und löst sich auf. Für Laien wird sie dann einfach nur gelb und trocken. Sie hat alles für ein gutes Korn gegeben. Soweit zur Düngung. Aber warum auch noch Pflanzenschutzmittel spritzen? Der Landwirt erklärt: „Backweizen braucht mehr Stickstoff als Futterweizen, sonst wird er zu Futterweizen. Er braucht dafür eine Gesunderhaltung, das heißt, die genetische Möglichkeit mehr Eiweiß anzulagern. Dadurch wird er leider anfälliger für Pilze. Deshalb wird zum Schutz der Pflanze mit Fungiziden dagegen gespritzt. Wenn ich etwas mache, hat es eben nicht nur eine Wirkung sondern auch eine Nebenwirkung“, erklärt Mathias Schlumberger. 

 

Wenn man offen und ehrlich unterwegs ist, kann man mit allen Partnern gut arbeiten. „Wir sind hier und kontrollierbar“, betont Bauer Schlumberger in Richtung verschiedener Natur schützender Gremien, denen er zum Teil selbst angehört. Er hat den Hof der Eltern 1997 übernommen und legt großen Wert auf gesunde, regionale Kreisläufe. 150 Hektar Ackerbau mit Weizen, Gerste, Dinkel, Triticale (das ist eine Futtergetreide-Kreuzung aus Weizen und Roggen), Mais, Zuckerrüben und Raps werden von seiner Schweinehaltung ergänzt. Zum Hof gehören Blühflächen, Grünland, Streuobst und Bienen genauso, wie einige Hektar Wald, eigene Hackschnitzel-vorräte und Photovoltaikanlagen. Das alles bewirtschaftet er als GBR zusammen mit seiner Familie, einem festen Mitarbeiter, einer Bürokraft in Teilzeit und mit Unterstützung seiner Eltern. Das Getreide wird in vier großen Silos gelagert und auf dem Hof gemahlen. Entweder als Futter für die eigenen Tiere oder für die LBV Schrozberg. Diese kauft, als fester Partner des Hofes Schlumberger, über kurze Wege den Backweizen ab. Das Innenleben der vier Silos ist für Nichtlandwirte ein kleines Wunderwerk: Über eine Zeit von bis zu 14 Monaten werden hier insgesamt 1000 Tonnen Getreide schichtweise eingelagert. Gut gekühlt und belüftet bleibt es frisch. Per Druckluft wird zuvor der sogenannte Ausputz, bestehend aus kleinen Strohhalmen, Staub, halben Körnern und Bruchstücken, ab-gereinigt. Der Vorrat wird bis zur nächsten Ernte reichen.   

 

Mit Verstand und Vernunft arbeiten und nicht mit zweierlei Maß messen. Das ist Landwirt Mathias Schlumberger wichtig. Er engagiert sich als Vorstand der Forstbetriebsgemeinschaft Gerabronn, als Fachbeirat des Landschaftserhaltungsverbandes des Landkreises Schwäbisch Hall und im Vorstand des Bauernverbandes für seinen Berufsstand. Er bereist regelmäßig ferne Regionen wie Südamerika, um sich vor Ort zu informieren. Er weiß, dort macht man sich fit dafür, jährlich 750 000 Tonnen mehr Fleisch nach Europa zu liefern. Das Mercosur-Abkommen der EU hat dafür den Weg gebahnt. Er ärgert sich darüber genauso, wie über die teils überzogenen Vorstellungen der Politik gegenüber der Landwirtschaft. Er ärgert sich über plakative Behauptungen und Unwahrheiten, „die immer leichter geglaubt werden, als komplizierte Wahrheiten.“ Das verursacht Kopfschütteln und eben auch lautstarke Proteste bei den Bauern. „Wir haben zu Bebauen und zu Bewahren. Da wir aber allesamt von Blümchen nicht leben können, gibt es Eingriffe in die natürlichen Kreisläufe. Ohne die ist es einfach nicht möglich. Das Wie und die Rahmenbedingungen dafür sind wichtig“, bekräftigt Landwirt Schlumberger aus Gerabronn. Er wünscht sich, dass seitens der Politik und auch der Bevölkerung nicht mit zweierlei Maß gemessen wird und die Rahmenbedingungen es den Bauern ermöglichen, von ihrer Arbeit zu leben. „Natur ist nun einmal komplex, da gibt es die eine Wahrheit nicht“, sagt er stellvertretend für seine Kolleginnen und Kollegen in der regionalen Landwirtschaft.      

 

 

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