Bauer schickt Gruppen in die Welt



von Hans Georg Frank, Südwestpresse und Haller Tagblatt


Ein schlauer Bauer aus Hohenlohe organisiert seit 20 Jahren Studientrips vor allem für Kunden aus dem Agrarbereich. Dieter Vogt hat mit dem wohl abgelegendsten Reisebüro ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut und 13 Arbeitsplätze auf dem Land geschaffen.

von Hans Georg Frank, Südwestpresse und Haller Tagblatt


Ein schlauer Bauer aus Hohenlohe organisiert seit 20 Jahren Studientrips vor allem für Kunden aus dem Agrarbereich. Dieter Vogt hat mit dem wohl abgelegendsten Reisebüro ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut und 13 Arbeitsplätze auf dem Land geschaffen.

SCHROZBERG "Der Dieter ist schon von klein auf ein guter Organisierer", lobt Walter Vogt (79) seinen Sohn. Von den Fähigkeiten des Buben war der Alt-Landwirt bereits überzeugt, als dieser bei der Landjugend aktiv war, "deshalb stand ich ihm auch nie im Weg". Aber dass der Reiseservice als "zweites Standbein" derart groß und erfolgreich werden könnte, das hat der stolze Vater "im Leben nicht geglaubt".
 
Dieter Vogt (50) ist der Prototyp des schlauen, ja schlitzohrigen Bauern, der sich rechtzeitig eine neue Einkommensquelle erschloss, statt über rückläufige Hoferlöse zu lamentieren. In Windisch-Bockenfeld, einem Weiler mit 33 Einwohnern im Stadtgebiet von Schrozberg im Kreis Schwäbisch Hall, betreibt er nicht nur den Hof mit 53 Hektar Äcker (Weizen, Gerste, Raps) und einer Schweinemast mit 800 Liegeplätzen. Drei Kilometer von der bayerischen Grenze entfernt, nahe Rothenburg ob der Tauber, hat Vogt das wohl abgelegendste Reisebüro des Landes aufgebaut.
 
Wo früher das Heu gelagert wurde, sind Arbeitsplätze für 13 Angestellte entstanden. Mit ihnen und seiner Frau Tina (40), einer gelernten Verlagskauffrau, organisiert Dieter Vogt Gruppenreisen hauptsächlich für eine Klientel mit agrarischem Hintergrund. In Windisch-Bockenfeld melden sich Bauernverbände, Landfrauenclubs, Obst- und Gartenbauvereine, Mitglieder von Maschinenringen, die ihren Horizont erweitern wollen. Für sie wird ein maßgeschneidertes, fachspezifisches Programm erarbeitet, umgesetzt wird nur das, was die Kundschaft zu erleben wünscht.
 
Safari und Teeplantage
 
Am Jahresende hat das Team 350 Touren zusammengestellt. Dazu gehören Familienfreizeiten im schönen Hotel ebenso wie Wüstensafaris in Dubai mit anschließender Besichtigung eines riesigen Kuhstalls und Einblicken in die Dattelverarbeitung. Wollen Fachschulabsolventen in China "Landwirtschaft im Land des roten Drachen" inspizieren, sucht Vogt nach Orchideenfarm, Teeplantage und High-Tech-Molkerei. Von Windisch-Bockenfeld aus werden fünf Freundinnen genauso in die Toskana zum Malkurs geschickt wie 2000 Landfrauen zum Jahrestreffen nach Berlin.
 
"Aus Jux und Tollerei habe ich den Busführerschein gemacht", erinnert sich Vogt, "und um Geld zu verdienen". Bald sollte er nicht nur hinter dem Lenkrad sitzen, der Dieter, könnte am besten die ganze Reise austüfteln, dachten seine Passagiere. Also chauffierte er Schweinemäster zu Kollegen nach Frankreich, Holland, Dänemark. "Das war vor 20 Jahren etwas absolut Neues." Diese Bildungsreisen blieben nicht nur den Teilnehmern in guter Erinnerung, sie riefen auch die Konkurrenz auf den Plan: Vogt wurde angezeigt. "Es war illegal", gesteht er. Den Makel hat er flugs beseitigt, ließ sich schulen, meldete das Gewerbe an. Heute summiert sich sein Jahresumsatz auf 8 Mio. EUR, Zuwachs über 5 Prozent. Mit Reisen verdient er ungleich mehr als mit Getreide und Schweinen.
 
Vogt profitiert von steigender Reiselust beim Landvolk. Jener Berufstand, der früher den Hof keinen Tag verließ, setzt sich heute dank besserer Aufgabenteilung und Spezialisierung entspannt in Bus oder Jet. Ein Großteil der Kundschaft ist denn auch zwischen 60 und 80 Jahren alt. Nachteil: Diese Leute erkranken häufiger. "Wir haben jedes Jahr mehr Versicherungsfälle."
 
Globale Beziehungen
 
Bei europäischen Zielen verlässt sich Vogt auf eigene Ortskenntnis, ob es das Stutenmilchgestüt in der Steiermark ist oder die Whiskey-Destille in Irland. In anderen Kontinenten stützt er sich auf zuverlässige Partner. Bei globalen Beziehungen helfen dem Hohenloher die 58 anderen Mitglieder von "Agrar Tour Operators International" (ATOI), die er jetzt in Paris traf. Vogt ist dort ein Exot: "Ich bin der einzige mit eigener Landwirtschaft."
 
Erfolge kann Vogt mit Erkundungen der Heimat melden. Seit Hohenloher Bäuerinnen zu Gästeführerinnen ausgebildet sind, erfreuen sich Abstecher in den Nordosten des Südwestens immer größerer Beliebtheit. Wer nach Bausteinen für Reisen nach Irgendwohin im Ausland fragt, bekommt von Vogt auch den Prospekt "Gruppenreise Hohenlohe". "Da werden die Leute neugierig", sagt Vogt. 25 Frauen aus Lübeck waren derart begeistert von der Gastfreundschaft zwischen Tauber und Kocher, dass sie zuhause von dem Geheimtipp schwärmten. Bald darauf kreuzten 40 weitere Frauen aus der Hansestadt auf.
 
"Wir arbeiten oft rund um die Uhr", sagt Tina Vogt, "aber wir sind glücklich".

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