Bauern werden gebraucht - Nachlese zum Bauerntag von Jochen Korte, Südwestpresse



In einem bemerkenswerten Kommentar am Samstag 25. Februar zeigt Jochen Korte, dass er die Botschaft des Bauerntags verstanden hat und bringt es auf den Punkt:

Wir brauchen einen moderierten Prozess zu einem gesamtgesellschaftlichen Grundkonsens zur Tierhaltung und zur Landwirtschaft. Nur so ist es möglich, dass alle berechtigten Belange auf den Tisch kommen und jeder, unabhängig von medialen Präsenzmöglichkeiten zu Wort kommt. 

 

Bauern werden gebraucht

von Jochen Korte, Südwestpresse am 25. Februar 2017

 

Selbstbewusst, souverän und vorwärtsgewandt, so präsentiert sich der Bauernverband Schwäbisch Hall-Hohenlohe-Rems auf seinem jüngsten Bauerntag. Vorsitzender Klaus Mugele und Geschäftsführer Helmut Bleher lassen keinen Zweifel daran, dass ihr Verband die Standesvertretung der Landwirte ist. Beim Thema Tierwohl ist der Bauernverband deutlich weiter als Landwirtschaftsminister Christian Schmidt. Der hat bislang nur ein Sammelsurium aus Forderungen zusammengetragen und ein Logo vorgestellt, das erst noch inhaltlich unterfüttert werden muss. Auch vom Gastredner, Professor Gunther Hirschfelder, kam Kritik an Schmidt. „Der ist weniger am Wohl der Bauern als an seiner Wiederwahl interessiert“, meinte der Kulturwissenschaftler der Uni Regensburg.

 

Beim Tierwohl sind die Hohenloher Bauern längst weiter, sie streben einen gesamtgesellschaftlichen Konsens bei der Tierhaltung an. Sie sind es leid, immer wieder von selbst ernannten Tierschützern an den Pranger gestellt und als vermeintliche Tierquäler diffamiert zu werden. Sie machen genau das, was Werner Balbach, der Chef des Landwirtschaftsamtes, beschrieben hat. Sie öffnen ihre Höfe zum Frühstück auf dem Bauernhof, sie machen bei der gläsernen Produktion und beim Klassenzimmer Bauernhof mit. Das schafft Transparenz und fördert Verständnis und Vertrauen beim Verbraucher. Balbachs These, das Thema Ernährung werde überhöht und trage mitunter religiöse Züge, kann gefolgt werden.

 

Die konventionelle Landwirtschaft wird auch in der Zukunft dafür sorgen, dass die Menschen mit qualitativ guten und preiswerten Lebensmitteln versorgt werden. Wie jüngste Statistiken zeigen, holen in Deutschland trotz Rekordbeschäftigung und einer niedrigen Arbeitslosigkeit so viele Menschen wie nie Lebensmittel bei den Tafeln. Sie könnten sich Bio finanziell überhaupt nicht leisten. Hohenloher Bauern tragen dazu bei, dass Fleisch kein Luxusprodukt wird.

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